Javier Marias – Berta Islae

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Berta Islae Obwohl der Roman des Autors Javier Marias „Berta Isla“ im Milieu des Geheimdienstes spielt, ist er keine Thriller. Wenn man darunter ein Spannungserlebnis versteht, in dem man von Höhpunkt zu Höhepunkt fiebert. Doch Javier Marias Roman ist nicht spannungsgeladen, sondern bestecht aus dem das Beschreiben von komplexen, widersprüchliche, diffuse Gefühlslagen der Hauptpersonen, einem jungen hochbegabten Spanier und seiner Freundin Berta Isla. An diesen beiden nimmt er die Verunsicherung und Verwüstung in den Blick, die eine Agententätigkeit für ein Liebespaar und der späteren Familie mit sich bringt. Die Titelheldin heiratet ihren spanisch-englischen Jugendfreund nach dessen Rückkehr aus Oxford, weiß aber nicht, dass Tomás Nevinson sich in den letzten Zügen seines Studiums dort gezwungen sah, sich dem britischen Geheimdienst zu verpflichten.Fortan führt er ein Doppelleben, darf seiner Frau nicht erzählen, verschwindet für gewisse Zeiten und wird am Ende vom MI6 für Tod erklärt. Erst nach 12 Jahren, als er sich entschließt auszusteigen, kehrt er nach Madrid zu einem Leben zurück, in dem er seine fremden Gesichter und Identitäten abstreifen kann, wennigstens teilweise. Wie seine Frau Berta Isla dies erlebt erfahren wir auch, denn der Autor wechselt die Erzählperspektiven. Wie bei all seinen Romanen verzögert der Javier Marias den Handlungsfortgang durch ständige Reflexionen und seine plastische Figurenzeichnung. Ein außergewönlicher Roman, der zu einem seiner besten, wenn nicht zu seinem Besten bisher gehört.

(Barbara Ter-Nedden)