Josephine Rowe – Ein liebendes, treues Tier

Eine Buchrezension von Serap Gürkan

Buch Tier Josephine Rowe erzählt von einer Familie, die Anfang der 90er Jahre in einer Kleinstadt in Australien lebt. Jack, der Vater, hat vor mehr als 20 Jahren am Vietnamkrieg teilgenommen und ist seitdem ein seelisches Wrack. Immer wieder verschwindet er und entzieht sich seiner Familie, an der er seine Wut und Verzweiflung in exzessiven Gewaltausbrüchen auslässt.

Nachdem jedoch sein Hund, das &dquo;liebende, treue Tier“, das dem Roman seinen Namen gibt, von einer Wildkatze zerrissen und getötet wird, ist er offenbar endgültig verschwunden.

Ausgehend von dieser Situation wird die Familiengeschichte- speziell Jacks Geschichte- aus den unterschiedlichen Perspektiven der Familienmitglieder erzählt:

Seine Frau Evelyn, die anfangs versucht ihn zu stützen und aus seiner Psychose zu befreien, geht dabei selbst zugrunde. Dann berichten seine beiden Töchter Ruby und Lani, die eine treu, die andere rebellisch und schließlich sein Bruder Les, der als Kriegsdienstverweigerer die Verwirrung und Verzweiflung seines Bruders nicht verstehen kann.

Eindringlich, in starken Bildern und in poetischer Sprache schafft es die Autorin den Leser direkt anzusprechen. Man wird hineingezogen in den Strudel der Grausamkeit einer modernen Gesellschaft, die von Gewalt und Krieg beherrscht und gesteuert wird. Ein sprachlich und inhaltlich dichtes und gewaltiges Buch, welches mit der Nüchternheit und an Zartheit grenzender Beschreibung der unterschiedlichen Charaktere tief berührt - ein typischer Roman des freien deutschen Liebeskind Verlag, der auf zeitgenössische, internationale Literatur setzt.

(Serap Gürkan)