J. L. Carr – Ein Monat auf dem Land

Eine Buchrezension der Parkbuchhandlung

Buch Monat In diesem Herbst gibt es eine Reihe von Romanen zu entdecken, die bereits vor langer Zeit erschienen und erstmalig ins Deutsche übersetzt wurden oder neu aufgelegt worden sind: John Williams „Augustus“ bei DTV, Sue Hubbel „Leben auf dem Land“ im Diogenes Verlag, die Romane von Irmgard Keun, von denen zwei im Kiwi-Verlag kürzlich erschienen. Bei Dumont ist nun „Ein Monat auf dem Land“ von J.L. Carr zum ersten Mal auf deutsch erschienen. Der Autor ist 1912 in Yorkshire geboren und starb 1994. J.L. Carr ist bei uns recht unbekannt, ein Autor, der lange Lehrer war, bis er 1966 einen eigenen Verlag gründete, in dem er nicht zuletzt seine eigenen Bücher veröffentlichte. Diese jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erschienene Erzählung ist sein bekanntestes Werk, es wurde 1980 für den Man Booker Preis nominiert, für das Radio adaptiert und 1987 verfilmt.

Im Mittpunkt der Erzählung steht ein junger Restaurator, der unter Gesichtszuckungen leidet und stottert, immer noch traumatisiert vom ersten Weltkrieg. Wir erleben wie er seelisch bedürftig mit wenig Geld seinen ersten selbständigen Autrag in einer Kirche in dem Dorf Oxgody übernimmt, wo er ein unter dem Putz vermutetes Kunstwerk restaurieren soll. Er quartiert sich im Glockenturm ein und lernt in den folgenden Wochen die Dorfbewohner kennen und schätzen. Nicht weit von seiner Wirkungstätte arbeitet ein Archäologe, mit dem er sich anfreundet. Der Ich-Erzähler erinnert sich an diesen glücklichen Sommer, wie er keinen mehr erlebt hat, an sein Glücksgefühl bei der Arbeit, bei den Besuchen in der Familie des Bahnwärters und wie er sich in die schöne Frau des Pfarrers verliebt. Es ist die berührende Geschichte eines Sommers über dem die Stimmung eines Neuanfangs schwebt. (Barbara Ter-Nedden)

„Dort oben auf dem Gerüst vor einem groß artigen Kunstwerk zu stehen und mich mit seinem Erschaffer verwandt zu fühlen, in dem wohligen Wissen, dass ich eine Art Impresario war, der sein Werk, nachdem es vierhundert Jahre im Verborgenen geschlummert hatte, wieder hervorlockte und heraufbeschwor, war zutiefst befriedigend. Aber das war nicht alles. Da war auch dieses grandiose Wetter, die Landschaft, die umliegenden Wälder, die vor hohem Gras und Wildblumen überbordenden Straß enränder.“