Rupert Thomson – Never anyone but you

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Thomson Wer waren Claude Cahu und Marcel Moor? Niemant kennt dieses interessante Pärchen, das der Surrealisten Szene zugerechnet wird. Claude Cahun wird 1884 in Nantes mit bürgerlichen Namen Lucy Schwob geboren und Marcel Moor 1892 ebenfalls in Nantes als Suzanne Malerbe. Sie werdenspäter Stiefgeschwister, da Maurice Schwob, Jude und Chefredakteur der größten Zeitung Westfrankreichs, die Mutter von Marcel Moor ehelicht, da ihr Mann verstarb. Doch die beiden lernen sich schon 1909 kennen, als sich noch fast Teenager waren. Sie lieben sich von Anfang an und werden unzertrennlich. Lucy Schwob wird Fotografin und Schriftstellerin, ihre Freundin studiert Malerein.Als Tochter der wohlsituierten, jüdischen Intellektuellenfamilie Schwob genoss Claude Cahun eine gute Ausbildung, und es war ihr schon frühzeitig möglich, in Zeitschriften Texte zu veröffentlichen und sich künstlerisch zu betätigen.Von Anfang an thematisiert sie die sexuelle Differnez. Dies entspricht auch den Bildinhalten ihres Oevres: Verdoppelung, Vervielfältigung.Als sich die beiden jungen Frauen 1910 kennenlernen ist das der Beginn einer Lebenslangen Partnerschaft und künstlerischen Zusammenarbeit. Einfühlsam und in klarer Sprache zeichnet Rupert Thomson ihren Weg nach, auf dem sie unter geschlechtlich willkürlichen Künstlernamen im Paris der Zwanzigerjahre mit ihren radikal modernen Texten, Collagen und Fotografien erstes Aufsehen erregen. Ihr Salon wird zum In-Treff der Surrealisten, wo sich neben Stammgästen wie André Breton und Salvador Dalí auch Hemingway einfindet. Doch der um sich greifende Antisemitismus treibt sie aus der Metropole. Freiheit versprechen sie sich fortan von einem Leben auf der Kanalinsel Jersey, und die verteidigen sie auch, als die Wehrmacht die Insel 1940 besetzt.Rupert Thomson kommt diesen beiden Frauen und ihrer existenziellen Liebe in seiner intimen Schilderung sehr nah. In Never anyone but you erweckt er die surrealistischen Fotografien zum Leben, mit denen dieses Paar die Kategorien von Identität und Geschlecht bis heute herausfordert und zur Inspirationsquelle von Ikonen wie Cindy Sherman und David Bowie wurde.

(Barbara Ter-Nedden)