Bill Browder – Red Notice

Eine Buchrezension von Torben Carstensen

Buch Putin Der Titel „Red Notice – Wie ich Putins Staatsfeind Nr.1 wurde“ kommt daher wie ein reißerischer Thriller. Und auch die Aufmachung des Covers mit seinem Signalrot erinnert eher an ein Buch von Tom Clancy und nicht an den neuen Sachbuch Spitzentitel des renommierten Hanser Verlags. Tatsächlich liest sich Red Notice über weiten Strecken wie ein Polit-Thriller.

Bill Browder entstammt einer Familie linkspolitischen Akademikerfamilie. Browder versuchte früh gegen seine Familie rebellieren. Am besten schien ihm das mithilfe des Kapitalismus möglich. Nach erfolgreich abgeschlossenem Wirtschaftsstudium zog es ihn kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Investor nach Russland. Dort lag nach Browders Schilderungen das Geld praktisch auf der Straße. Das einzige Problem waren die Oligarchen, die versuchten Browder aus ihren Geschäften und am liebsten auch aus Russland fernzuhalten. Browder stellte sich der Konfrontation und fand zunächst auch in Putin einen politischen Unterstützer im Kampf gegen die Oligarchen. Doch seine Unterstützung für den neuen Staatschef ist nur von kurzer Dauer.

Browders Geschichte liest sich wie ein Agentenroman mit ihm in der Hauptrolle. Er beschreibt glaubwürdig, wie er sich innerhalb weniger Jahre von dem größten ausländischen Investor in Russland zu einem freiheitsliebenden Menschenrechtsaktivisten wandelt. Die Wandlung beginnt mit der Festnahme, Folterung und Ermordung seines russischen Anwalts Sergej Magnitski. Browder kämpft aufopfernd um Gerechtigkeit und erreicht schließlich mithilfe einiger US-Senatoren die Umsetzung des Magnitsky Act.

Bill Browders Geschichte erscheint in Teilen etwas unreflektiert und egozentrisch, aber sie ist zu keinem Zeitpunkt unglaubwürdig und zudem hochaktuell.

(Torben Carstensen)