Emilia Smechowski – Rückkehr nach Polen

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Polen Was wissen wir schon von Polen? In den letzten Jahren erreichen uns eher bedenkliche Nachrichten von totalitären Strukturen und einem Rechtsruck. So kommt das Buch von Emilia Smechowski gerade recht, die 1988, als fünfjähriges Mädchen, aus einer Kleinstadt bei Gdansk nach West-Berlin gekommen ist, wo ihre Eltern als Mediziner Karriere machten. Wie die Mehrheit der zwei Millionen polnischen Einwanderer in der Bundesrepublik legten sie Wert auf möglichst perfekte sprachliche und kulturelle Assimilation an die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Im März 2018 begab sich die Journalistin für ein Jahr nach Polen in ihre Heimatstadt. Ihr Buch „Rückkehr nach Polen“ ist das Resultat dieses Aufenthalts. Als Reporterin ihres eigenen Alltags berichtet Smechowski über ihre Gespräche mit Politiker und Kollegen, aber auch von Gesprächen beim Einkaufen, von den Abenteuern ihrer Tochter am Ostseestrand, von den Auseinandersetzungen mit anderen Müttern am Sandkasten, von Alltagssexismus, Kochrezepten und dem Geruch nach Desinfektionsputzmitteln in Behördenfluren. Der Höhepunkt des Buches scheint mir das Treffen mit Lech Walesa in einem Altersheim - ein groteskes Szenaio des ehemaligen Elektriker, späteren Präsidenten und Nobelpreisträgers, der heute gerne Monologe führt.

Ein interessantes, sehr flüssig geschriebenes Buch über das heute Polen und seine Bewohner. Sehr zu empfehlen, auch für Menschen, die nichts mit Polen zu tun haben. Barbara Pym, Vortreffliche Frauen

(Barbara Ter-Nedden)