Anna Enquist – Streichquartett

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Streichquartett Als Liebhaberin von Streichquartetten habe ich mir wie selbstverständlich das neue Buch "Streichquartett" von Anna Enquist vorgenommen. Ich bin auf meine Kosten gekommen, denn es geht auch wirklich um Musik und vor allem um ein Streichquartett aus leibhaftigen vier Menschen. Jeder ist wichtig beim Zusammenspiel, die vier müssen sich verstehen, die vier Freunde, die wöchendlich auf einem Hausboot in Amsterdam zusammenkommen. Im Zusammenspiel von Mozart oder Dvorak können sie ihren Alltag und ihr Leid vergessen.

Die Autorin ist Konzertpianistin, Psychoanalytikerin und Schriftstellerin. Sie ist 1945 in Amsterdam geboren und lebt in den Niederlanden. Ihre Helden können in letzter Zeit ihren Alltag zugunsten des gemeinsamen musizierens nicht mehr hinter sich lassen. Die Ärztin Carolin und ihr Mann Jochen haben ihre beiden Jungens bei einem Autounfall verloren, Hugo, ist Leiter des örtlichen Musikzentrums, das aufgelöst werden soll, Heleen ist Altenpflegerin und kommt nicht mit dem rigiden Gesundheitswesen zurecht. Doch alle vier halten sich an der Musik fest. Ein eigener Erzählstrang ist die Geschichte des alten Celloprofessors, der versucht trotz Hinfälligkeit eigenständig zu leben. Er ist in gewisser Weise mit den vier Musiziernden verbunden.

Alle Figuren werden zusammenführt in einer letzten Szene, in der während eines Konzerts auf dem Hausboot ein flüchtiger Mörder Unterschlupf findet. Die Autorin, eine Meisterin des psychologischen Romans, komponiert eine Geschichte wie eine Sinfonie mit vielen Stimmen und bei der am Ende ein groß artiges Finale steht. Es wäre schön, wenn die Presse dieses Buch entdecken würde.

(Barbara Ter-Nedden)