Steven Bloom – Mendel Kabakov und das Jahr des Affen

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Affe Mendel Kabakov erinnert sich: Mit 16 Jahren floh Mendel Kabakov vor seinem orthodoxe Vater aus dem Elternhaus, erwirbt seinen Schulabschluss in der Abendschule und widmet sich dem Studium der amerikanischen Geschichte. Wie so viele seiner Zeitgenossen kämpft er im Ersten Weltkrieg in Europa, bevor er in New York seiner großen Liebe Sonia begegnet, mit der ihn nicht zuletzt die große Liebe zu Büchern verbindet. Ihr Tod im Jahr 1967 hinterlässt eine tiefe Lücke. 1968 im Jahr des Affen, nach fast fünfzig gemiensamen Jahren trauer Mendel, inzwischen mehrfacher Großvater, verzweifelt fast an der gefühlten Unfähigkeit, seinen Kindern und Enkeln auf ähnlich liebevolle und besonnene Weise in ihren Lebenskrisen beizustehen, wie es seine verstorbene Frau vermochte.

Er beschließt, Schiwa zu sitzen. Neben seinen beiden treuen Freunden Fritz und Graham kommen viele. Sogar Brewster, ein langjähriger Kollege, der den Juden Kabakov nie leiden konnte, weil der die Chuzpe besaß, die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, deren Hang zu leichtfertiger Kriegsführung und sämtliche Präsidenten kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die kritische Beschäftigung mit der amerikanischen Tagespolitik war eines der wichtigen Themen zwischen den Eheleuten und uns läßt der Autor an diesen – wie ich finde – einleuchtenden überlegungen teilhaben.

Bis auf seinen ersten, mehrfach ausgezeichneten Roman „No new jokes“ ist kein weiterer der ins Deutsche übersetzten fünf Romane Steven Blooms in den USA erschienen. In New York geboren, lebt der Autor heute in Heidelberg; sein Blick über den großen Teich ist immer kritisch, aber zugleich geprägt von Verbundenheit mit seinem Geburtsland. Ihm, vor allem aber den USA wäre es zu wünschen, dass seine Stimme dort wieder gehört würde. „Mendel Kabakov und das Jahr des Affen&ldqho; wäre ein gelungener Einstieg.

Das Buch ist im Wallstein Verlag erschienen und sollte von allen gelesen werden, die sich darüber wundern, warum die Amerikaner Trump gewählt haben – und natürlich von allen übrigen auch.

(Barbara Ter-Nedden)