Rafik Schami –
Das Herz der Puppe

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Herz Puppe Nichts als Kinderbücher habe ich im Sinn! Allen voran hat mich Rafik Schamis „Das Herz der Puppe“ sehr beeindruckt. Rafik Schami ist einer meiner Lieblingsdichter, der mich seit Jahrzehnten mit seinen Meisterwerken der Erzählkunst bezaubert. „Die dunkle Seite der Liebe“, ein dicker autobiographischer Roman über seine Heimat Syrien bzw. seine Stadt Damaskus, die immer wieder im Zentrum steht, verbunden mit der Geschichte eines kleinen Jungen, der kein Bäcker werden will.

Jetzt wieder ein Kinderbuch für große und kleine Kinder. Es geht um ein Mädchen und seine ganz besondere Puppe. Entdeckt hat Nina sie auf einen Flohmarkt, dort liegt sie von allen Kinder verlassen. Sie „entpuppt“ sich als treue Freundin und Ratgeberin, denn Widu – so heißt sie – kann sprechen. Widu ist ein Segen für Nina, die einsam ist, keine Spielgefährten hat, sie ernährt sich von den Ängsten der Kinder. Und Rafik Schami reiht Episode an Episode aus dem Zusammenleben der beiden Freundinnen, die auch in schwierige Zeiten zusammenhalten und sich stützen. Dann nämlich als Nina im Krankenhaus mit einer schlimmen Lungenentzündung liegt. Da entscheidet sich die Puppe, ein Herz zu bekommen, weil sie ihre Freundin nur so retten kann. Das ist das philosophische an dieser Erzählung, denn wer ein Herz hat, kann auch Schmerz empfinden in dem Augenblick, in dem das Kind erwachsen wird und die Puppe eventuell vergißt. Rafik Schami dagegen hat die Hoffnung, daß wir erwachsen werden und dennoch Kind bleiben, die staunen und uns wundern können.

(Barbara Ter-Nedden)