Barbara Pym – Vortreffliche Frauen

Eine Buchrezension von Barbara Ter-Nedden

Buch Frauen Zunächst fällt das „vortreffliche“ Cover auf, das der Dumont Verlag für diesen Roman gewählt hat. Dann ist der Text neu übersetzt und keinesfalls altbacken oder staubig. Barbara Pym ist eine moderne berufstätige Frau gewesen und schrieb viele Romane. „Vortreffliche Frauen“ erschien 1952 in England. Er handelt von Mildred Lathbury, einer Pfarrerstochter, über dreißig Jahre alt, ledig und das, was man im Allgemeinen wohl als graue Maus bezeichnet. Ihr Leben besteht aus einem Teilzeitjob und dem ehrenamtlichen Engagement in der Kirche. Sie ist im Stadtteil und der Gemeinde gut integriert und von allen geschätzt. Als eines Tages das Ehepaar Napier in ihr Haus zieht, wird ihr Leben gehörig durcheinandergewirbelt. Nicht nur, dass sie bei sich etwas zu viel Interesse für Ehemann Rocky entdeckt, auch die so gar nicht vortreffliche Ehefrau Helena entwickelt sich zum Lehrstück für Mildred. Sie muss feststellen, dass es nicht immer die braven Frauen sind, die für ihr Verhalten mit erfüllenden Karrieren und Ehen belohnt werden.

Eine schöne Geschichte, die nicht von hohem Tempo geprägt ist, in der aber dennoch eine Menge passiert. Besonders die Entwicklung der Protagonistin ist spannend und unterhaltsam; sie entwickelt sich von der unendlich frommen, naiven, unauffälligen Mildred zur selbstbewussten Frau. Wie sehr die eigentlich selbstständigen Frauen sich für das Wohlergehen der Männer aufopfern, ist frappierend. Auffällig ist die hochkomplexe Darstellung der weiblichen Charaktere und ihrer Beziehungen zu den recht eindimensionalen männliche Figuren. Ein großer Spaß, der englischer nicht sein könnte und jetzt schon zu einem meiner Lieblingsbücher gehört.

(Barbara Ter-Nedden)